Du kaufst einen neuen Akkuschrauber für 400 €. Nächstes Jahr eine Kreissäge für 1.200 €. Dann noch einen Kompressor, eine Tauchpumpe, ein neues Bosch-Set. Am Ende des Jahres hast du 5.000–10.000 € in Werkzeug investiert – und fragst dich beim Steuerberater, wie du das angeben sollst.
Die Antwort ist einfacher, als du denkst: Du schreibst deine Werkzeuge ab. Klingt nach Buchhaltungs-Kauderwelsch? Ist es aber nicht. Mit der richtigen Abschreibung (AfA = Absetzung für Abnutzung) kannst du jedes Jahr mehrere Tausend Euro Steuern sparen. Das Geld bleibt in deiner Kasse, statt beim Finanzamt zu landen.
Dieser Artikel zeigt dir: Was die GWG-Grenze ist, wie lineare und degressive Abschreibung funktionieren, wie lange du was abschreiben kannst – und wie du mit einer klugen Strategie bares Geld sparst.
GWG-Grenze 2026: Was ist das und wie nutzt du sie?
GWG steht für Geringwertiges Wirtschaftsgut. Das sind Wirtschaftsgüter (also Werkzeuge, Maschinen, Geräte), die einen bestimmten Anschaffungswert nicht überschreiten. Und hier kommt die entscheidende Grenze:
💰 Die GWG-Grenze 2026: 800 € netto
Liegt der Anschaffungswert eines Werkzeugs unter 800 € netto (also ca. 952 € brutto), kannst du es sofort im Jahr des Kaufs komplett als Betriebsausgabe absetzen. Das heißt: Du sparst dir die jahrelange Abschreibung und bekommst den Steuervorteil auf einmal.
Praktisches Beispiel: Du kaufst einen Akkuschrauber für 400 € netto. Da er unter 800 € liegt, setzt du ihn sofort komplett ab. Bei einem Steuersatz von 30 % sparst du 120 € Steuern – sofort, im selben Jahr.
Wichtig: Die GWG-Grenze gilt pro einzelnem Wirtschaftsgut, nicht für die Summe. Kaufst du 10 Schrauber für je 400 €, kannst du jeden einzeln sofort abschreiben, auch wenn die Summe 4.000 € beträgt.
💡 Praxistipp: Zahlt sich Splitten aus?
Wenn du ein Set kaufst (z.B. ein Bohrmaschinen-Set für 900 €), prüfe, ob du die Einzelteile separat abrechnen kannst. Manche Steuerberater empfehlen, Sets in Einzelkomponenten zu zerlegen, wenn diese einzeln unter 800 € liegen. Aber Vorsicht: Das Finanzamt prüft genau, ob es sich um eigenständige Wirtschaftsgüter handelt. Im Zweifel mit dem Steuerberater klären.
Für alles über 800 € netto greift die normale Abschreibung (AfA) über die Nutzungsdauer. Und die hat zwei Gesichter.
Lineare vs. degressive Abschreibung: Der große Unterschied
Bei der AfA hast du die Wahl zwischen zwei Methoden. Die Entscheidung beeinflusst, wie viel du pro Jahr absetzen kannst.
📏 Lineare AfA (die Standard-Methode)
Du verteilst den Anschaffungswert gleichmäßig über die Nutzungsdauer. Einfach, planbar, vom Finanzamt anerkannt.
Formel: Anschaffungswert ÷ Nutzungsdauer = jährlicher AfA-Betrag
Beispiel: Kreissäge für 1.200 €, Nutzungsdauer 5 Jahre → 240 € pro Jahr, jedes Jahr gleich.
📉 Degressive AfA (die Turbo-Methode)
Du schreibst in den ersten Jahren mehr ab als in den späteren. Das Finanzamt erlaubt seit 2026 wieder eine degressive AfA mit bis zu 30 % des Buchwerts, aber maximal das Doppelte der linearen AfA.
Vorteil: Du hast die Steuerersparnis früher – das Geld arbeitet für dich.
Nachteil: Die Beträge werden jedes Jahr kleiner. Bei langlebigen Gütern kann sich das lohnen, bei kurzer Nutzungsdauer ist der Unterschied minimal.
📊 Vergleich: Lineare vs. degressive AfA (1.200 €, 5 Jahre)
Linear: 240 €/Jahr, jedes Jahr gleich → Summe: 1.200 €
Degressiv: Jahr 1: 360 € | Jahr 2: 252 € | Jahr 3: 176 € | Jahr 4: 124 € | Jahr 5: 288 € (Rest) → Summe: 1.200 €
Mit degressiver AfA sparst du im ersten Jahr 120 € mehr Steuern (bei 30 % Steuersatz: 36 € mehr).
AfA-Tabelle: Wie lange kannst du was abschreiben?
Das Finanzamt gibt offizielle Nutzungsdauern vor – die sogenannten AfA-Tabellen. Hier sind die wichtigsten Werte für Handwerker:
| Wirtschaftsgut | Nutzungsdauer | Beispiel (1.000 €) |
|---|---|---|
| GWG (unter 800 €) | 1 Jahr (sofort) | 1.000 € komplett im Jahr 1 |
| Elektrowerkzeuge (Bohrmaschine, Schrauber) | 5 Jahre | 200 €/Jahr |
| Großmaschinen (Kreissäge, Kompressor) | 8 Jahre | 125 €/Jahr |
| Schwere Maschinen (Bagger, Rüttler) | 10 Jahre | 100 €/Jahr |
| Computer / Laptop / Tablet | 3 Jahre | 333 €/Jahr |
| Büromöbel | 13–15 Jahre | 67–77 €/Jahr |
| Transporter / Klein-LKW | 6 Jahre | 167 €/Jahr |
| PKW (gewerblich) | 6 Jahre | 167 €/Jahr |
| Fachliteratur / Software | 3 Jahre | 333 €/Jahr |
| Betriebsvorrichtung (Regal, Werkbank) | 10 Jahre | 100 €/Jahr |
Die Tabelle zeigt dir: Je kürzer die Nutzungsdauer, desto höher der jährliche AfA-Betrag. Bei einem Laptop (3 Jahre) schreibst du schneller ab als bei einem Transporter (6 Jahre). Das ist gut zu wissen, weil du so steuern optimieren kannst.
Beispielrechnung: Festool-Sortiment für 5.000 € abschreiben
Lass uns das Ganze konkret machen. Du investierst als Schreiner oder Elektriker in ein Festool-Sortiment im Wert von 5.000 € netto. Das Set besteht aus:
| Werkzeug | Preis (netto) | GWG? | Nutzungsdauer | AfA pro Jahr (linear) |
|---|---|---|---|---|
| Tauchkreissäge TS 55 | 850 € | Nein | 5 Jahre | 170 € |
| Akkuschrauber 18V | 350 € | ✅ Ja | Sofort | 350 € |
| Multifräse MFK 700 | 620 € | ✅ Ja | Sofort | 620 € |
| Exzenterschleifer ETS EC 150 | 580 € | ✅ Ja | Sofort | 580 € |
| Staubsauger CTM 26 | 950 € | Nein | 5 Jahre | 190 € |
| Kapp-Zugkreissäge KS 120 | 1.650 € | Nein | 5 Jahre | 330 € |
| Gesamt | 5.000 € | 2.240 € |
📋 Ergebnis der Beispielrechnung
✅ 3 Werkzeuge (1.550 €) sind GWG → sofort absetzbar
✅ 3 Werkzeuge (3.450 €) müssen über 5 Jahre abgeschrieben werden
✅ AfA im ersten Jahr: 1.550 € + 690 € = 2.240 €
✅ Bei 30 % Steuersatz: 672 € Steuerersparnis im ersten Jahr
✅ Über 5 Jahre insgesamt: 1.500 € Steuerersparnis
Das bedeutet: Von deinen 5.000 € Investition bekommst du über 5 Jahre 1.500 € über die Steuer zurück. Deine tatsächliche Belastung sinkt auf 3.500 € – und das Werkzeug gehört trotzdem dir. Ziemlich gutes Geschäft, oder?
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Zum Werkzeug-AfA-Rechner →Neukauf vs. Leasing: Was lohnt sich für Handwerker?
Diese Frage kommt immer wieder: Soll ich Werkzeuge kaufen oder leasen? Die Antwort hängt von der Summe ab.
Für Werkzeuge unter 5.000 €: Kaufen. Immer. Die Leasinggebühren + Zinsen sind höher als der Steuervorteil, den du durch Leasing bekommst. Außerdem kannst du bei Kauf die GWG-Grenze nutzen und Werkzeuge sofort absetzen. Leasing lohnt sich hier nicht.
Für Maschinen über 5.000 €: Kommt drauf an. Leasing kann Sinn machen, wenn:
- Du Liquidität schonen willst (keine hohe Einmalzahlung)
- Die Maschine schnell veraltet (z.B. computergesteuerte Fräsen)
- Du flexibel bleiben willst (nach Leasingende neue Technik)
Für Transporter und Fahrzeuge: Leasing ist hier oft die bessere Wahl, weil die Raten als Betriebsausgaben voll absetzbar sind und du kein Kapital bindest.
📌 Faustregel für Handwerker
Kauf bis 5.000 € (GWG + AfA nutzen)
Leasing ab 20.000 € (Liquidität schonen)
Dazwischen: Kommt auf deine individuelle Steuersituation an. Am besten mit Steuerberater klären.
Fazit: Werkzeug abschreiben lohnt sich immer
Egal ob du einmalig einen Akkuschrauber kaufst oder regelmäßig in hochwertiges Festool-Equipment investierst: Die Abschreibung deiner Werkzeuge ist kein Buchhaltungs-Trick, sondern dein gutes Recht. Der Gesetzgeber will, dass du deine berufliche Ausrüstung steuerlich geltend machst.
Die drei wichtigsten Punkte zum Mitnehmen:
- GWG unter 800 €: Immer sofort komplett absetzen – kein Grund, auf Abschreibung zu verzichten
- Lineare AfA: Standard-Methode, einfach, sicher – für die meisten Fälle die richtige Wahl
- Degressive AfA: Turbo für die ersten Jahre – lohnt sich bei höheren Investitionen
Nutze den Werkzeug-AfA-Rechner, um deine individuelle Ersparnis zu berechnen. Und wenn du deinen Stundensatz noch nicht kalkuliert hast, solltest du auch das nachholen – denn die Werkzeugkosten sind ein Teil deines Stundensatzes.
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AfA jetzt berechnen →Häufige Fragen zum Werkzeug abschreiben
Was passiert, wenn mein Werkzeug unter 800 € kostet?
Dann greift die GWG-Regelung (Geringwertiges Wirtschaftsgut). Du kannst den vollen Betrag sofort im Jahr des Kaufs als Betriebsausgabe absetzen. Keine Abschreibung über mehrere Jahre nötig. Das gilt für jedes einzelne Werkzeug unter 800 € netto.
Kann ich Werkzeuge auch privat nutzen und trotzdem absetzen?
Ja, aber nur anteilig. Wenn du deinen Akkuschrauber auch privat nutzt (z.B. für Heimwerker-Projekte), musst du den privaten Anteil schätzen und rausrechnen. Üblich sind 10–20 % Privatnutzung. Bei fast ausschließlich beruflicher Nutzung (über 90 %) kannst du den vollen Betrag absetzen.
Was ist der Sammelposten für GWG zwischen 800 und 1.000 €?
Güter zwischen 800 € und 1.000 € können in einen Sammelposten eingestellt werden. Dieser wird dann über 5 Jahre gleichmäßig abgeschrieben. Vorteil: Du musst nicht jedes einzelne Werkzeug einzeln erfassen. Nachteil: Die Abschreibung dauert länger. Seit 2026 wird diese Regelung zunehmend durch die erweiterte GWG-Grenze verdrängt.
Kann ich Gebrauchtwerkzeuge abschreiben?
Ja, auch gebrauchte Werkzeuge sind Wirtschaftsgüter, die du abschreiben kannst. Der Anschaffungswert ist der Kaufpreis (nicht der Neupreis). Die Nutzungsdauer reduziert sich entsprechend: Ein 3 Jahre alter Schrauber mit Restlebensdauer von 2 Jahren wird über 2 Jahre abgeschrieben. Wichtig: Rechnung aufbewahren!
Welche Methode lohnt sich bei hohen Investitionen (über 10.000 €)?
Bei Investitionen über 10.000 € kann sich die degressive AfA richtig lohnen. Beispiel: Eine Fräsmaschine für 15.000 € mit 8 Jahren Nutzungsdauer: linear = 1.875 €/Jahr, degressiv = 4.500 € im ersten Jahr. Das sind bei 30 % Steuersatz 1.350 € vs. 562 € Steuerersparnis im ersten Jahr. Ein Unterschied von fast 800 €! Besprich die degressive AfA aber vorher mit deinem Steuerberater.
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